Jameson Caskmates Stout Edition Release 2020

15.11.2025 🇩🇬 To the english Review
In der Welt des Whiskeys führen unkonventionelle Wege oft zu den spannendsten Entdeckungen. Die Jameson Destillerie pflegte über Jahre eine pragmatische Beziehung zur benachbarten Bierbrauerei Franciscan Wells: Die ausgedienten Whiskeyfässer fanden dort ein zweites Leben für die Stout-Reifung. Doch irgendwann stellte sich in Midleton die Frage, ob dieser Kreislauf nicht auch andersherum funktionieren könnte. Was passiert, wenn Whiskey in Fässern nachreifen darf, die zuvor mit dunklem Stout gefüllt waren?
Jameson Caskmates Stout Edition Release 2020
Jameson Caskmates Stout Edition Release 2020
Blended Whiskey | Ohne Altersangabe | 40,00 % Vol. | 35,70 €/l | Brennerei: Midleton | hergestellt in Irland
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Riechen

Der erste Eindruck ist überraschend lebendig und grün, fast als würde man über eine irische Weide spazieren, während in der Ferne Hopfenfelder blühen. Die blumigen Noten sind deutlich präsent, begleitet von einer hopfigen Frische, die tatsächlich an ein gut gebrautes Craft Beer erinnert. Dann kommen die Zitrusnoten ins Spiel, hell und einladend, wie frisch geschnittene Zitronenschalen an einem Sommermorgen.

Schmecken

Der Jameson Caskmates Stout Edition präsentiert sich am Gaumen bemerkenswert mild, fast schon zurückhaltend. Ein leichter Anklang von Röstmalz ist wahrnehmbar, doch er bleibt subtil und verschwindet schnell wieder im Hintergrund. Die citrusartigen Noten, die in der Nase so vielversprechend waren, finden sich auch am Gaumen wieder, allerdings in deutlich abgeschwächter Form. Der Whiskey gleitet sanft über die Zunge, ohne große Höhen oder Tiefen. Die Textur ist weich und zugänglich, was ihn für Einsteiger sicherlich attraktiv macht. Doch wir vermissen die Würze, die Tiefe und vor allem die charakteristischen Stout-Noten, die man bei einem Finish in ehemaligen Bierfässern erwarten würde. Das versprochene Zusammenspiel zwischen Whiskey und Bier bleibt am Gaumen leider aus oder versteckt sich so geschickt, dass selbst erfahrene Gaumen Mühe haben, es zu identifizieren.

Abgang

Das Finale bringt dann doch noch einige interessante Momente. Kaffeenoten tauchen auf, begleitet von einer leichten Bitterkeit, die tatsächlich an dunkles Stout erinnert. Es ist, als würde sich das Bier-Erbe des Fasses erst ganz am Ende zeigen wollen. Eine dezente Eichenwürze gesellt sich dazu und verleiht dem Abgang eine gewisse Struktur.

Gedanken

Der Jameson Caskmates Stout Edition Release 2020 ist ein Whiskey der zwei Gesichter. Die Nase verspricht deutlich mehr, als der Gaumen letztendlich halten kann. Das ist schade, denn die Idee hinter diesem Whiskey ist großartig und das olfaktorische Erlebnis durchaus überzeugend. Die tatsächliche Stout-Einflussnahme bleibt jedoch so subtil, dass sie kaum wahrnehmbar ist.
Dennoch hat dieser irische Blended Whiskey seine Berechtigung. Für Einsteiger in die Welt des Whiskeys ist er klar zu empfehlen. Die Milde und Zugänglichkeit machen ihn zu einem perfekten Einstiegswhiskey, der niemanden überfordert oder abschreckt. Er eignet sich hervorragend für gesellige Abende, bei denen ein unkomplizierter, trinkbarer Whiskey gefragt ist. Auch als Basis für Cocktails oder Longdrinks kann er seine Stärken ausspielen.

Bewertung: 69/100 - Gut (Marcel: 68 | Sascha: 70)

Preis-Leistung: 4/5 - Gut

Vorschaubild Quelle: Whiskybase

FAQ: Die häufigsten Fragen

❓ Wie unterscheidet sich der Jameson Caskmates Stout Edition von der IPA Edition?

👉 Während die Stout Edition mit ehemaligen Stout-Bierfässern ein eher mildes, leicht bitteres und kaffeelastiges Profil entwickeln soll, bringt die IPA Edition typischerweise hopfigere und zitrusfruchtigere Noten mit. Beide teilen sich die grundlegende Jameson-DNA, unterscheiden sich aber in der Intensität der Bier-Einflüsse. Die IPA-Variante ist tendenziell spritziger, während die Stout-Version cremiger und dunkler angelegt ist.

❓ Was macht das Stout-Fass-Finish technisch mit dem Whiskey?

👉 Das Finishing in ehemaligen Stout-Fässern sollte theoretisch Aromen von Röstmalz, Kaffee, dunkler Schokolade und eine leichte Bitterkeit in den Whiskey übertragen. Die Fässer geben Restzucker und charakteristische Bier-Noten ab, während die Eiche selbst zusätzliche Würze beisteuert. Die Dauer des Finishings ist entscheidend: Je länger, desto intensiver der Einfluss. Beim Jameson Caskmates scheint dieses Finishing eher kurz ausgefallen zu sein.

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