Oban The Macleans Young Teddy (2023)
Riechen
Der erste Eindruck ist ungewöhnlich vertraut. Malzigkeit dominiert die Basisnote – wie frisch geöffnete Müslidose an einem Sonntagmorgen. Aber kaum hat man sich daran gewöhnt, fährt die Komplexität wie ein Doppeldeckerbus durch die Nasenhöhle: Birne, Aprikose, Mirabelle – hell, saftig, fast gläsern in ihrer Aromatik. Karamell, das an cremige Fudge-Stücke erinnert. Und dann kommt das große Pâtisserie-Ballett: Buttercroissant, Biscuitteig, Erdbeertartlett – es ist ein Frühstücksbrunch auf einem französischen Balkon. Ein Hauch von weißem Tee? Ja, tatsächlich. Subtil floral, minimal adstringierend.
Schmecken
Der Antritt ist: cremig, fast viskos. "Undefinierbar hellfruchtig" ist keine Ausrede, sondern der ehrlichste Begriff, den man hier wählen kann. Wie ein Lichtstrahl im Nebel – da ist etwas, aber es bleibt ungreifbar. Dann wird's pfeffrig – weißer Pfeffer, präzise und doch nicht aggressiv. Ein Hauch Leder? Vielleicht. Nasser Kaffeeprütt – feucht, dunkel, herb. Klingt unappetitlich, wirkt aber harmonisch. Und ganz am Rand: grüner Tabak, frisch geschnitten, fast chlorophyllig. Eine sensorische Collage, die sich jeder Linearität widersetzt. Und dennoch: faszinierend balanciert.
Abgang
Der Abgang ist die Brücke zurück zur Realität – aber er lässt dich nicht einfach gehen. Da ist gute Eiche, aber keine bittere. Ein wenig Karamell, etwas Honig, und dann – fast neckisch – ein salziger Kuss. Maritim, aber nicht küstenstürmisch. Man spürt, dass ein Sherryfass involviert war – aber nur kurz. Vielleicht lief der Whisky daran vorbei, hat kurz Hallo gesagt, aber nicht übernachtet. Anders? Ja. Abgedreht? Nein. Er hat Ecken, aber keine Kanten.
Gedanken
Der Oban The Macleans Young Teddy ist kein „People Pleaser“. Er schmeichelt nicht – er fordert. Nicht überfordernd, aber stets einen Schritt neben dem Gewohnten. Ein Whisky für Menschen, die schon viel probiert haben – oder noch gar nichts. Denn er weckt genau das, was Whisky ausmachen sollte: Neugier.
Bewertung: 86/100 - Ausgezeichnet (Marcel: 88 | Sascha: 84)
FAQ: Die häufigsten Fragen
❓ Hat der Oban Macleans Young Teddy eine Altersangabe?
👉 Nein. Diese limitierte Edition kommt ohne offizielle Altersangabe, was Raum für Interpretationen lässt – inhaltlich wie stilistisch.
❓ Ist der Whisky stark vom Sherryfass geprägt?
👉 Nicht wirklich. Zwar scheint ein Sherryfass involviert gewesen zu sein, doch nur sehr subtil. Wer eine klassische Sherrybombe sucht, wird hier nicht fündig – dafür eher eine elegante Andeutung.
❓ Ist der Whisky für Einsteiger geeignet?
👉 Ja – wenn der Einsteiger bereit ist, sich auf etwas Ungewöhnliches einzulassen. Die Aromen sind zugänglich, aber der Stil ist eigenwillig. Kein typischer „Einstiegswhisky“, aber ein spannender Begleiter auf dem Weg dorthin.