Oban The Macleans Young Teddy (2023)

31.07.2025 🇩🇬 To the english Review
Whiskys erzählen Geschichten. Manche laut, mit Pauken und Trompeten. Andere flüstern – und doch hallt ihr Nachklang lange im Gedächtnis nach. Der Oban The Macleans Young Teddy (2023) gehört zu letzterer Sorte. Eine Limited Edition aus der traditionsreichen Oban-Brennerei in den schottischen Highlands – mit stattlichen 50,8 % Vol., aber ohne Altersangabe. Und vielleicht ist genau das ein Hinweis: Dieser Whisky will nicht durch Zahlen beeindrucken, sondern durch Charakter.
Oban The Macleans Young Teddy (2023)
Oban The Macleans Young Teddy (2023)
Single Malt | Ohne Altersangabe | 50,80 % Vol. | 541,42 €/l | Brennerei: Oban | hergestellt in Schottland (Highlands)

Riechen

Der erste Eindruck ist ungewöhnlich vertraut. Malzigkeit dominiert die Basisnote – wie frisch geöffnete Müslidose an einem Sonntagmorgen. Aber kaum hat man sich daran gewöhnt, fährt die Komplexität wie ein Doppeldeckerbus durch die Nasenhöhle: Birne, Aprikose, Mirabelle – hell, saftig, fast gläsern in ihrer Aromatik. Karamell, das an cremige Fudge-Stücke erinnert. Und dann kommt das große Pâtisserie-Ballett: Buttercroissant, Biscuitteig, Erdbeertartlett – es ist ein Frühstücksbrunch auf einem französischen Balkon. Ein Hauch von weißem Tee? Ja, tatsächlich. Subtil floral, minimal adstringierend.

Schmecken

Der Antritt ist: cremig, fast viskos. "Undefinierbar hellfruchtig" ist keine Ausrede, sondern der ehrlichste Begriff, den man hier wählen kann. Wie ein Lichtstrahl im Nebel – da ist etwas, aber es bleibt ungreifbar. Dann wird's pfeffrig – weißer Pfeffer, präzise und doch nicht aggressiv. Ein Hauch Leder? Vielleicht. Nasser Kaffeeprütt – feucht, dunkel, herb. Klingt unappetitlich, wirkt aber harmonisch. Und ganz am Rand: grüner Tabak, frisch geschnitten, fast chlorophyllig. Eine sensorische Collage, die sich jeder Linearität widersetzt. Und dennoch: faszinierend balanciert.

Abgang

Der Abgang ist die Brücke zurück zur Realität – aber er lässt dich nicht einfach gehen. Da ist gute Eiche, aber keine bittere. Ein wenig Karamell, etwas Honig, und dann – fast neckisch – ein salziger Kuss. Maritim, aber nicht küstenstürmisch. Man spürt, dass ein Sherryfass involviert war – aber nur kurz. Vielleicht lief der Whisky daran vorbei, hat kurz Hallo gesagt, aber nicht übernachtet. Anders? Ja. Abgedreht? Nein. Er hat Ecken, aber keine Kanten.

Gedanken

Der Oban The Macleans Young Teddy ist kein „People Pleaser“. Er schmeichelt nicht – er fordert. Nicht überfordernd, aber stets einen Schritt neben dem Gewohnten. Ein Whisky für Menschen, die schon viel probiert haben – oder noch gar nichts. Denn er weckt genau das, was Whisky ausmachen sollte: Neugier.

Bewertung: 86/100 - Ausgezeichnet (Marcel: 88 | Sascha: 84)

Vorschaubild Quelle: Whiskybase

FAQ: Die häufigsten Fragen

❓ Hat der Oban Macleans Young Teddy eine Altersangabe?

👉 Nein. Diese limitierte Edition kommt ohne offizielle Altersangabe, was Raum für Interpretationen lässt – inhaltlich wie stilistisch.

❓ Ist der Whisky stark vom Sherryfass geprägt?

👉 Nicht wirklich. Zwar scheint ein Sherryfass involviert gewesen zu sein, doch nur sehr subtil. Wer eine klassische Sherrybombe sucht, wird hier nicht fündig – dafür eher eine elegante Andeutung.

❓ Ist der Whisky für Einsteiger geeignet?

👉 Ja – wenn der Einsteiger bereit ist, sich auf etwas Ungewöhnliches einzulassen. Die Aromen sind zugänglich, aber der Stil ist eigenwillig. Kein typischer „Einstiegswhisky“, aber ein spannender Begleiter auf dem Weg dorthin.

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