Taketsuru Pure Malt
Riechen
Bereits beim ersten Nosing offenbart der Taketsuru Pure Malt seine Vielschichtigkeit. Die erdigen, malzigen Grundtöne bilden ein solides Fundament, über dem sich zarte Blütenhonig-Aromen entfalten. Es ist, als würde man durch einen japanischen Garten im Frühsommer spazieren, wo gerade die ersten Pfirsichblüten ihre Süße freigeben. Die floralen Noten sind präsent, aber nie aufdringlich, sondern fügen sich harmonisch in das Gesamtbild.
Besonders faszinierend sind die warmen Eichentöne, die wie eine wärmende Decke über den anderen Aromen liegen. Sie erinnern an gut gelagertes Holz in einer traditionellen Küferei. Ein Hauch Bergamotte sorgt für eine zitrusfrische Komponente, die dem Nosing eine gewisse Lebendigkeit verleiht. Die Nase verspricht Komplexität, ohne dabei überfordernd zu wirken. Sie lädt ein, immer wieder ins Glas zurückzukehren und neue Nuancen zu entdecken.
Schmecken
Der erste Schluck bestätigt, was die Nase bereits andeutete: Dieser Whisky ist ein Meister der Milde. Brauner Zucker und Vanille dominieren das Geschmacksbild und erzeugen eine Süße, die niemals klebrig oder eindimensional wirkt. Die Textur ist bemerkenswert rund, fast schon cremig, und umschmeichelt den Gaumen wie Samt.
Doch unter dieser sanften Oberfläche verbirgt sich mehr. Baumrinde-Noten bringen erdige und leicht holzige Akzente ins Spiel, die an einen Waldspaziergang nach dem Regen erinnern. Diese eichigen Elemente verleihen dem Taketsuru Pure Malt eine willkommene Struktur und verhindern, dass er in belangloser Süße versinkt. Die Balance zwischen Süße und Holznoten ist beeindruckend ausgewogen. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, es gibt kein Brennen, keine scharfen Kanten. Dieser Whisky ist das, was man in der Fachsprache "smooth" nennt, glatt und geschliffen wie ein polierter Stein.
Abgang
Hier offenbart sich die einzige echte Schwäche des Taketsuru Pure Malt: Das Finish ist kurz. Zu kurz, wenn man bedenkt, wie vielversprechend Nase und Gaumen waren. Doch was an Länge fehlt, macht der Abgang in Qualität wett. Ein wärmendes Gefühl breitet sich aus, begleitet von subtilen Eichenanklängen, die wie ein Echo der vorangegangenen Aromen wirken. Würziger Pfeffer sorgt in den letzten Momenten für eine kleine Überraschung, ein freches Augenzwinkern am Ende einer ansonsten zurückhaltenden Vorstellung.
Gedanken
Der Taketsuru Pure Malt ist ein Whisky, der den Trinker vor ein Dilemma stellt. Handwerklich ist er nahezu makellos umgesetzt. Die Rundung, die Ausgewogenheit, die sanfte Integration aller Komponenten sind auf höchstem Niveau. Er schmeckt gut, sogar sehr gut. Und doch fehlt ihm etwas Entscheidendes: eine Ecke, eine Kante, ein Moment der Überraschung.
Dieser Whisky ist wie ein perfekt ausgeführtes klassisches Musikstück, das technisch brillant gespielt wird, aber ohne die emotionale Tiefe, die einen wirklich berührt. Er ist der sichere Begleiter für einen gemütlichen Abend, die zuverlässige Wahl, wenn Gäste kommen, die man beeindrucken möchte, ohne sie herauszufordern. Für Einsteiger in die Welt des japanischen Whiskys ist der Taketsuru Pure Malt eine ausgezeichnete Wahl. Er zeigt, was japanische Brennkunst kann, ohne dabei polarisierend zu wirken.
Bewertung: 75/100 - Sehr Gut (Marcel: 73 | Sascha: 76)
Preis-Leistung: 2/5 - Teuer
Vorschaubild Quelle: Whiskybase
FAQ: Die häufigsten Fragen
❓ Warum trägt dieser Whisky den Namen Taketsuru?
👉 Masataka Taketsuru gilt als Vater des japanischen Whiskys. Er gründete nicht nur die Nikka Brennerei, sondern brachte das Wissen um die schottische Whisky-Herstellung nach Japan. Der Taketsuru Pure Malt ist eine direkte Hommage an seinen Gründer und repräsentiert die Philosophie, traditionelle schottische Methoden mit japanischer Präzision zu verbinden.
❓ Was bedeutet Pure Malt eigentlich genau?
👉 Pure Malt ist eine ältere Bezeichnung für das, was heute als "Blended Malt" bekannt ist. Es handelt sich ausschließlich um Malt Whiskys (keine Grain Whiskys) aus verschiedenen Brennereien, die miteinander vermählt wurden. Bei Nikka bedeutet dies hauptsächlich eine Kombination aus Whiskys der Yoichi und Miyagikyo Brennereien.