Deanston 12 Jahre 2012/2024 - The Cask Hound
Riechen
Beim ersten Nosing offenbart sich eine bemerkenswert kräftige Süße, die sofort Aufmerksamkeit fordert. Frische Äpfel dominieren die erste Wahrnehmung, gefolgt von einer saftigen Orangennote, die an sonnenverwöhnte Zitrusfrüchte erinnert. Diese Fruchtigkeit wird von einer nussigen Komponente begleitet, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Besonders spannend wird es, wenn man dem Whisky etwas Zeit im Glas gibt: Eine weinige Note entfaltet sich, begleitet von verlockender Pflaumenmarmelade, die an selbstgemachte Konfitüre aus Omas Küche denken lässt. Fast schüchtern gesellen sich Anklänge von Erdbeeren hinzu, die dieser kraftvollen Nase eine überraschend zarte Facette verleihen. Die 57,80 Prozent sind präsent, aber keineswegs aggressiv. Vielmehr tragen sie die Aromen mit einer Intensität, die zum längeren Verweilen einlädt.
Schmecken
Der erste Schluck überrascht mit einer öligen, fast cremigen Textur, die den Gaumen umschmeichelt. Im Antritt zeigt sich erneut diese kraftvolle Süße, diesmal begleitet von einer Süßwein-Charakteristik, die an edlen Dessertwein erinnert. Doch dieser Deanston ist kein einseitiger Süßling: Eine gute Portion Eiche meldet sich zu Wort und bringt strukturierte Trockenheit ins Spiel. Die mineralische Note, die sich entwickelt, erdet den Whisky und verleiht ihm einen fast steinigen Charakter. Pflaume und Apfelmost wechseln sich ab, wobei die Fruchtigkeit zunehmend in einen herberen Bereich driftet. Diese Entwicklung vom süßen Einstieg zur trockenen Mitte ist meisterhaft ausbalanciert. Die Fassstärke zeigt hier ihre Stärke: Jede Geschmacksnuance wird mit maximaler Klarheit präsentiert, ohne dabei die Geschmacksknospen zu überfordern. Ein paar Tropfen Wasser können die verschiedenen Ebenen noch deutlicher herausarbeiten, sind aber keine Notwendigkeit.
Abgang
Der Abgang setzt die trockene Entwicklung vom Gaumen konsequent fort. Mittellang und wärmend breitet sich eine angenehme Hitze im Brustkorb aus, die von der hohen Alkoholstärke herrührt. Backkakao gesellt sich hinzu, begleitet von Tabakblättern, die eine erdige, fast meditative Komponente einbringen. Der Whisky zeigt hier seine ganze Power: Viel Würze dominiert das Finale, wobei schwarzer Pfeffer deutlich spürbar wird. Besonders charakteristisch ist die rotweinartige Note, die sich durch das gesamte Finish zieht und vermutlich auf die Fassreifung zurückzuführen ist. Diese Kombination aus Wärme, Würze und weinigen Anklängen sorgt für einen nachhaltigen Eindruck, der noch minutenlang nachhallt.
Gedanken
Dieser Deanston 12 Jahre ist wirklich lecker und bestätigt einmal mehr, warum Fassabfüllungen so spannend sind. Gerade bei unabhängigen Abfüllern wie The Cask Hound weiß man nie genau, was einen erwartet, doch hier wurde offensichtlich ein ausgezeichnetes Fass selektiert. Die Balance zwischen fruchtiger Süße, strukturierter Eiche und würzigem Finish ist bemerkenswert gelungen.
Bewertung: 82/100 - Ausgezeichnet (Marcel: 82 | Sascha: 82)
Preis-Leistung: 5/5 - Sehr gut
FAQ: Die häufigsten Fragen
❓ Warum schwankt die Qualität bei Fassabfüllungen so stark?
👉 Bei unabhängigen Abfüllern wie The Cask Hound wird jedes Fass einzeln ausgewählt und abgefüllt. Im Gegensatz zu Standard-Abfüllungen, wo verschiedene Fässer vermischt werden, bekommt man hier den puren Charakter eines einzigen Fasses. Das bedeutet: Jede Flasche ist einzigartig, kann aber auch unterschiedlich ausfallen. Deshalb ist das Risiko höher, aber auch die Chance auf echte Perlen wie diesen Deanston 12.