Glencadam Reserva Andalucia

23.11.2025 🇩🇬 To the english Review
Mit 46% Vol., ungefärbt und nicht kühlfiltriert, verspricht diese Abfüllung ehrliches Handwerk. Doch kann ein NAS Whisky, der zunächst in Bourbonfässern reifte und anschließend ein Finish in Oloroso Sherry Butts erhielt, wirklich überzeugen? Oder verschwindet der zarte Glencadam Spirit unter der gewaltigen Sherrywelle?
Glencadam Reserva Andalucia
Glencadam Reserva Andalucia
Single Malt | Ohne Altersangabe | 46,00 % Vol. | 48,40 €/l | Brennerei: Glencadam | hergestellt in Schottland (Highlands)

Riechen

Die Nase beginnt mit einer Überraschung. Während man bei einem Sherryfass Finish oft eine dominante, fast erdrückende Süße erwartet, präsentiert sich der Reserva Andalucia deutlich differenzierter. Ja, die Himbeeren sind da, strahlend rot und saftig, wie frisch vom Markt. Aber dann kommt diese weinige Note, die an einen leicht geöffneten Bordeaux erinnert, begleitet von hellen Trauben, die ihre Frische bewahrt haben.
Interessant wird es mit dem Sliwowitz Charakter, dieser typisch steinobstigen Schärfe, die dem Ganzen Würze verleiht. Das Malzige, so charakteristisch für Glencadam, kämpft sich tapfer durch die Sherrynoten. Doch dann, und hier wird es ehrlich, zeigt sich ein leicht muffiger Unterton. Nichts Dramatisches, aber spürbar, als hätte das Fass vielleicht einen Tick zu lange gewartet oder nicht ganz perfekte Bedingungen erlebt. Trockenfrüchte klingen dezent an, fast schüchtern im Hintergrund.

Schmecken

Nelkengewürz trifft auf schwarzen Pfeffer, eine würzige Kombination, die sofort Präsenz zeigt. Die Datteln bringen eine dunklere, karamelligere Süße ins Spiel als die Himbeeren der Nase vermuten ließen. Honig schmiegt sich cremig über die Zunge, während holzige Noten die Struktur bilden.
Das Sherryfass zeigt sich hier in voller Kraft, aber ohne den Glencadam Spirit komplett zu überrollen. Man spürt noch die typische Fruchtigkeit der Brennerei, wenn auch gedämpft. Die cremige Textur ist bemerkenswert für 46% Vol., fast schon ölig im positiven Sinne. Die Balance zwischen Süße und Würze funktioniert überraschend gut, auch wenn man merkt, dass hier kräftige Gewürze die Hauptrolle spielen.

Abgang

Das Finale ist kräftig, aber ehrlich gesagt etwas kürzer als man es sich nach dem intensiven Gaumen wünschen würde. Die Eiche tritt nun deutlich hervor, begleitet von einem leicht bitteren Zug, der nicht unangenehm ist, aber zeigt, dass das Fass seinen Tribut gefordert hat. Chilli bringt eine unerwartete, fast pikante Wärme, gefolgt von weißem Pfeffer, der dem Ganzen eine fast schon scharfe Komponente verleiht.

Gedanken

Der Glencadam Reserva Andalucia ist ein ambitionierter Versuch, den zarten Highland Spirit mit kraftvollem Oloroso Sherry zu vereinen, und das gelingt ihm teilweise sehr gut. Das Sherryfass kommt definitiv zur Geltung, keine Frage. Die Gewürze, die Süße, die holzigen Noten sind alle präsent und sorgen für ein intensives Erlebnis.
Aber, und hier wird es kritisch, hinten raus geht die Fruchtigkeit fast vollständig verloren. Was in der Nase noch als Versprechen schimmerte, verschwindet im Finish nahezu komplett. Das ist schade, denn genau diese Fruchtigkeit ist es, die Glencadam ausmacht. Zudem hat das Fass offensichtlich nicht nur die guten Sherrynoten abgegeben. Der muffige Unterton in der Nase und die leichte Bitterkeit im Finish deuten darauf hin, dass hier vielleicht nicht das allerbeste Fass zum Einsatz kam.

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Bewertung: 74/100 - Sehr Gut (Marcel: 73 | Sascha: 75)

Preis-Leistung: 4/5 - Gut

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Vorschaubild Quelle: Whiskybase
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