St. Kilian Exceptional Range Mizunara 2025 – Soft Peated
Riechen
Gleich vorweg: Dieser Whisky spielt in einer eigenen Liga, was die Nase angeht. Wir beide schnuppern zunächst an diesem hellgoldenen Elixier und schauen uns vielsagend an. Da ist zunächst diese wunderbar unschuldige, hellfruchtige Süße von Apfel und Birne, die man aus einem klassischen fränkischen Single Malt kennt und liebt. Aber dann wird es interessant: Honigmelone meldet sich zu Wort. Nicht irgendeine Melone, sondern diese perfekt reife Sorte, die man im Sommer auf dem Markt findet und von der man eine ganze kaufen möchte.
Der Rauch? Ja, er ist da, aber er benimmt sich wie ein gut erzogener Gast auf einer Gartenparty. Ganz dezent webt er sich durch die fruchtigen Noten, ohne jemals aufdringlich zu werden. Und dann kommt der Moment, der uns beide kurz innehalten lässt: ein leicht kühlender Hauch von Eukalyptus, der dem ganzen Bouquet eine erfrischende, fast mentholhaltige Dimension verleiht. Es ist, als hätte jemand einen japanischen Zen-Garten mitten in einen fränkischen Obstgarten gepflanzt. Klingt verrückt? Ist es auch. Funktioniert aber fantastisch.
Schmecken
Jetzt wird es ernst. Der erste Schluck bei über 53 Prozent fordert Respekt, aber belohnt mit einem absoluten Feuerwerk. Die Melone ist wieder da, diesmal noch cremiger und präsenter. Das Mundgefühl ist leicht kribbelig, fast schon prickelnd, was dem Ganzen eine lebendige Textur gibt. Aber dann passiert etwas, das wir bei einem deutschen Whisky so nicht erwartet hätten: Diese ultra funky Würze schlägt zu.
Und hier müssen wir kurz technisch werden, weil es wichtig ist: Diese Würznote ist komplett untypisch für normale Eichenfass-Reifung. Das ist das Mizunara-Ding. Diese japanische Eiche bringt Aromen mit, die sich nicht in klassische Kategorien pressen lassen. Es ist würzig, aber anders. Es ist holzig, aber exotisch. Es ist, nun ja, einfach funky. Karamell gesellt sich dazu, gefolgt von der vertrauten Honigmelone und Birne, die wie ein roter Faden durch das Tasting führen. Und dann dieser Räucherstäbchen-Vibe. Nicht der grobe, maritime Torfrauch, den man von der Insel kennt, sondern diese feine, aromatische Räucherung, die man eher mit asiatischen Tempeln assoziiert. Der Rauch bleibt elegant im Hintergrund, eine ständige Begleitung, die nie die Hauptrolle übernimmt.
Abgang
Das Finish ist extrem wärmend und das meinen wir nicht negativ. Bei 53,4 Prozent kriecht diese angenehme Wärme durch die Brust und bleibt. Und bleibt. Und bleibt. Langanhaltend ist hier keine Übertreibung. Zunächst entwickelt sich eine leicht kräuterige Note, dann wird es wieder schön würzig und fruchtig. Die Melone und Birne winken zum Abschied. Aber der letzte Akt gehört ihr allein: dieser funky Eiche. Sie bleibt zurück wie ein Fingerabdruck, unverwechselbar und einprägsam. Noch Minuten später schmeckt man diese charakteristische Würze, die einen daran erinnert, dass man gerade etwas wirklich Besonderes erlebt hat.
Gedanken
Also, kommen wir zum Punkt: Wir brauchen mehr Mizunara-Vollreifungen aus Franken. Dieser Whisky beweist eindrucksvoll, dass St. Kilian nicht nur handwerklich hervorragenden Single Malt produziert, der fruchtige Gesamtcharakter ist eine Visitenkarte der Brennerei, sondern dass die Kombination mit Mizunara-Eiche etwas hervorbringt, das man so nirgendwo sonst bekommt. Diese funky Eiche ist ein Game Changer. Für wen ist dieser Whisky? Ganz klar für alle, die über den Tellerrand schauen wollen, die bereit sind, Geld für etwas Außergewöhnliches auszugeben und die japanische Eichenreifung schätzen oder kennenlernen möchten.
Bewertung: 86/100 - Ausgezeichnet (Marcel: 86 | Sascha: 86)
Vorschaubild Quelle: St. Kilian
FAQ: Die häufigsten Fragen
❓ Warum ist Mizunara-Eiche so verdammt teuer und kompliziert?
👉 Mizunara-Eiche ist die Diva unter den Fasshölzern. Sie wächst ausschließlich in Japan, braucht mindestens 200 Jahre bis zur Ernte und ist beim Fassbau eine echte Herausforderung. Das Holz ist porös wie ein Schwamm, lässt sich schwer bearbeiten und neigt dazu, zu lecken. Selbst erfahrene Küfer fluchen beim Bau von Mizunara-Fässern. Dazu kommt, dass die verfügbaren Mengen extrem begrenzt sind. Ein einziges Mizunara-Fass kostet ein Vielfaches eines normalen Bourbon-Fasses. Aber wer einmal diese charakteristische funky Würze, die exotischen Gewürznoten und das Sandelholz-Aroma erlebt hat, versteht, warum Brennereien weltweit diesen Aufwand betreiben. Es ist wie der Unterschied zwischen einem Massenprodukt und einem Kunstwerk.