Invergordon 35 Jahre (1987/2023) - Murray McDavid
Mal wieder ein 1987er auf dem Blog – Marcels Jahrgang zieht solche Flaschen eben magisch an. Dieser Invergordon 35 Jahre aus der Mission Gold Serie von Murray McDavid setzt auf ein PX Finish und zeigt sich als Single Grain aus den Highlands mit klarer Fasshandschrift. Das Ergebnis ist ein milder Dram, bei dem reifes Getreide und gereifte Süße nicht allein auf die Bühne dürfen.
Verkostung
Nase
In der Nase treffen viel reifes Getreide und viel Fasseinfluss aufeinander, erstaunlich ausgewogen und ohne großes Gerangel. Dazu kommen Holzwürze, etwas Bitterschokolade und dieses leicht fruchtgummihafte Aroma des Getreides, das dem Ganzen einen charmant schrägen Dreh gibt. Leider schiebt sich auch ein Hauch Weinsäure hinein, der nicht völlig stört, aber schon merklich mitredet.
Gaumen
Am Gaumen startet er trocken mit Kuchen, Trockenfrüchten, Datteln, Leder, etwas Bitterkeit und ordentlich Holz. Die Mischung aus intensivem Fasscharakter und den typischen Grain-Noten im Hintergrund bleibt erhalten, wobei Fass und Weinsäure hier klar dominanter auftreten. Dank sauberer PX-Süße, 35 Jahren Reife und erfreulichen 48,1 Prozent bleibt der Whisky dennoch gut trinkbar und durchaus genießbar. Dazu kommen Lagerhallenholz, ein Hauch Lakritz und eine komplexe, leicht süße Wiederholung im zweiten Schluck.
Abgang
Der Abgang ist etwas trocken, mit wenig Pfeffer und eher weicher als druckvoller Ausrichtung. Fruchtkuchen, Holz und eine gewisse Anmutung, die an irischen Whiskey erinnert, prägen das Bild. Er ist mittellang, nicht besonders komplex und im Mundgefühl etwas flach, aber insgesamt angenehm.
Gedanken
Marcel 79/100 - (Sehr Gut)
Für mich ist ein 1987er natürlich nie ganz neutral zu bewerten – der Jahrgangsbonus sitzt frech mit im Glas. Trotzdem bleibt der Eindruck klar: Das Sherryfass hat hier etwas zu sehr das Kommando übernommen, sodass von den klassischen Grain-Noten nicht mehr allzu viel übrig bleibt. Angenehm ist das schon, aber eben eher Fassshow als Grain-Feier.
Sascha 77/100 - (Sehr Gut)
Hier steht das Fass ganz eindeutig im Vordergrund, und zwar nicht nur höflich am Rand, sondern mitten im Rampenlicht. An manchen Stellen kippt das in zu dominante, leicht bittere Noten, was den Dram etwas aus dem Gleichgewicht bringt. Unterm Strich bleibt es aber ein solider Grain, der trotz seiner Ecken noch Spaß macht.
Preis-Leistung: 3/5 (Angemessen)
Entdecke unsere Preis-LeistungssiegerHäufig gestellte Fragen
Wie stark prägt das PX Finish diesen Invergordon 35 Jahre?
Sehr deutlich. Laut den Notizen stehen Fasseinfluss, PX-Süße, Trockenfrüchte und Weinsäure klar im Vordergrund, während die klassischen Grain-Noten eher im Hintergrund arbeiten.
Ist der Whisky eher grain-typisch oder fassbetont?
Ganz klar fassbetont. Reifes Getreide ist zwar vorhanden, wird aber von Holz, Sherry-Einfluss, Trockenfrüchten und einer spürbaren Würze deutlich überlagert.
Wie wirkt der Abgang bei diesem Single Grain?
Der Finish ist weich, etwas trocken und mittellang. Fruchtkuchen, Holz und wenig Pfeffer bestimmen den Nachhall, der angenehm, aber nicht besonders komplex ausfällt.