Longmorn 40 Jahre 1975/2015 - Malts of Scotland
Als dieser Longmorn 1975 ins Fass kam, endete auch der Vietnamkrieg. Longmorn selbst ist so eine Brennerei, die lieber im Hintergrund arbeitet – die meisten ihrer Single Malts landen traditionell in Blends. Umso spannender, wenn so ein gereiftes Exemplar den Weg in die Flasche findet.
Verkostung
Nase
Beim ersten Schnuppern denken wir gleichzeitig: "Alter Holzschuppen bei Oma auf dem Land." Aber der schicke! Da liegt morsches, feuchtes Holz in der Luft, als hätte jemand eine antike Truhe geöffnet. Dahinter schleichen sich schwere rote Früchte an – denkt an überreife Pflaumen, die schon ein bisschen zu lange in der Obstschale lagen. Ein Hauch von Bienenwachs macht die Sache cremig, während leicht erdige Noten (Waldboden nach Regen?) für Bodenhaftung sorgen. Dann wird's apothekig: Muskat taucht auf wie ein alter Bekannter, gefolgt von einem ganzen Apothekerschrank voller Tinkturen und Kräuter. Kreide! Ja, verdammt, Schulkreide. Und als wäre das nicht schon verwirrend genug, schwebt da auch noch Rosenwasser durch – elegant, aber zurückhaltend, wie eine vornehme Dame, die nicht zu viel Parfum aufträgt. Diese Nase ist kompliziert. Sie fordert Aufmerksamkeit. Sie will, dass du dich hinsetzt und zuhörst. Wir nicken brav, verstehen aber nur die Hälfte.
Gaumen
Der erste Schluck macht "krisselig" – ihr wisst schon, dieses prickelnde, fast schon elektrisierte Gefühl auf der Zunge. Die Würzlast schlägt sofort zu: Das ist kein sanfter Beginn, das ist eine Geschmacksexplosion. Aber – und hier wird's interessant – trotz dieser Wucht bleibt alles unglaublich rund. Frisch gerösteter Kaffee meldet sich zu Wort, gefolgt von leicht angebranntem Nusskuchen (ihr wisst schon, der Rand, den alle wollen). Weißer Pfirsich bringt eine fruchtige Frische, die wir so nicht erwartet hätten. Das Ganze ist extrem filigran und vielschichtig – als würde jemand ein Orchester dirigieren, bei dem jedes Instrument mal solo spielt. Die würzige Eiche ist immer präsent, aber nie dominant. Es ist wie bei einem guten Dirigenten: Man merkt, dass er da ist, aber er drängt sich nicht in den Vordergrund. Nach 40 Jahren Fassreife wäre das auch ein echtes Kunststück gewesen, nicht holzlastig zu werden.
Abgang
"Zieeeeht sich lang wie Kaugummi", notieren wir. Und es stimmt. Dieser Abgang kennt kein Ende. Weiches Holz schmiegt sich an den Gaumen, viel Eiche (surprise!) macht sich breit, und Zimt mit Muskat verabschieden sich langsam, gaaanz langsam. Man sitzt da, nippt, wartet, und der Whisky ist immer noch da. Wie dieser eine Partygast, der nicht kapiert, dass alle anderen schon längst im Bett sind. Nur dass wir uns hier nicht beschweren.
Gedanken
Marcel 90/100
Ein Whisky, der nicht einfach nebenbei läuft, sondern deine volle Aufmerksamkeit verlangt – dieser Longmorn 40 Jahre ist wie ein vielschichtiges Buch, das man Kapitel für Kapitel genießen muss. Anspruchsvoll, komplex und ehrlich gesagt ein bisschen anstrengend, aber gerade deshalb ein echter Schatz für besondere Abende voller Entdeckungen und Genussmomente.
Sascha 88/100
Mit seiner beeindruckenden Balance zwischen intensiver Würze und filigraner Fruchtigkeit zeigt dieser Longmorn 40 Jahre eine strukturierte Komplexität, die lange nachhallt. Die langlebige Eichenpräsenz und das vielschichtige Aromenspiel machen ihn zu einem technisch reifen Vertreter, der trotz seiner Anspruchshaltung harmonisch und präzise bleibt – ideal für anspruchsvolle Genießer, die Struktur und Tiefe schätzen.
Preis-Leistung: Keine Bewertung
Entdecke unsere Preis-LeistungssiegerHäufig gestellte Fragen
Warum ist der Longmorn 40 Jahre 1975/2015 so selten und besonders?
Longmorn produziert hauptsächlich Whiskys für Blends, nur selten werden ihre Single Malts abgefüllt. Diese 40-jährige Abfüllung aus dem Jahr 1975 ist daher eine Ausnahme und bietet eine außergewöhnliche Reife, die sonst kaum erhältlich ist.
Wie beeinflusst die lange Fassreife den Geschmack dieses Longmorn Whiskys?
Die 40 Jahre im Fass verleihen dem Whisky eine komplexe Mischung aus reifen roten Früchten, cremigem Bienenwachs und würzigen Noten wie Muskat und Zimt. Trotz der langen Lagerung bleibt der Whisky ausgewogen und vermeidet eine übermäßige Holzdominanz.
Welche Besonderheiten sollte man beim Verkosten des Longmorn 40 Jahre beachten?
Der Whisky zeigt ein prickelndes Mundgefühl mit einer intensiven Würze und vielschichtigen Aromen wie geröstetem Kaffee und weißem Pfirsich. Der lange, anhaltende Abgang mit Eiche, Zimt und Muskat lädt dazu ein, den Geschmack bewusst und langsam zu genießen.