
Besuch bei Blair Athol: Whisky aus Pitlochry
Ein Besuch bei Blair Athol in Pitlochry, einer der ältesten Brennereien Schottlands, deren efeubewachsene Mauern, blühender Innenhof und traditionelle Dunnage-Warehouses das Herzstück des berühmten Bell’s Blends bilden.
Am südlichen Ortseingang von Pitlochry, dort wo die Highlands ihre sanftere Seite zeigen, liegt eine der ältesten und stimmungsvollsten Brennereien Schottlands: Blair Athol. Schon der erste Blick auf die efeuüberwucherten Steinmauern macht klar, dass hier Geschichte gewachsen ist. Gegründet 1798, gehört Blair Athol heute zu Diageo und ist das aromatische Rückgrat des weltbekannten Bell's Blends. Wir haben der Destillerie an einem strahlenden Maimorgen einen Besuch abgestattet.
Eine der ältesten Brennereien Schottlands
Die Geschichte von Blair Athol reicht bis ins Jahr 1798 zurück, als John Stewart und Robert Robertson hier die erste Brennanlage errichteten. Damals trug sie noch den Namen „Aldour", abgeleitet vom Allt Dour, dem Bach, der bis heute durch das Gelände fließt und die Brennerei mit Wasser versorgt. Wie so viele frühe Destillerien stand auch Aldour zunächst unter keinem guten Stern und wurde bald nach der Gründung wieder stillgelegt.
Erst 1825 erwachte der Betrieb zu neuem Leben, als John Robertson die Anlage übernahm, ausbaute und ihr den heutigen Namen Blair Athol gab. Eine erneute Schließung folgte 1932, mitten in den wirtschaftlich schwierigen Jahren. 1949 schließlich baute Arthur Bell & Sons die Brennerei wieder auf, und legte damit den Grundstein für die enge Verbindung, die Blair Athol bis heute mit dem Bell's Blend pflegt.
Allt Dour, der Bach des Otters
Der ursprüngliche Name „Aldour" ist mehr als nur ein historisches Detail. Der Allt Dour, auf Gälisch der „Bach des Otters", entspringt den Hängen des Ben y Vrackie oberhalb von Pitlochry und liefert das weiche, klare Wasser, das Blair Athol bis heute prägt. Wasser ist beim Whisky kein Beiwerk, sondern Charakterträger, und die Brennerei trägt diese Quelle stolz in ihrer Herkunft.
Passend dazu ziert ein Otter das Emblem der Flora-&-Fauna-Abfüllung, jener offiziellen 12-jährigen Single-Malt-Edition, mit der Diageo den eigenständigen Charakter von Blair Athol zeigt. Der Großteil des Destillats wandert jedoch in den Bell's Blend; nur ein kleiner Teil reift in Sherryfässern für die Einzelabfüllung. Wer den nussig-malzigen, leicht erdigen Stil von Blair Athol einmal pur erleben will, kommt an diesen Bottlings kaum vorbei.

Der blühende Innenhof
Wer durch den steinernen Torbogen tritt, versteht sofort, warum Blair Athol als eine der schönsten Brennereien Schottlands gilt. Hinter dem schattigen Durchgang öffnet sich ein gepflegter, blühender Innenhof, der im Mai in voller Pracht steht. Efeu klettert die Mauern hinauf, Blumenbeete säumen die Wege, und das satte Grün bildet einen wunderbaren Kontrast zum grauen Naturstein der historischen Gebäude.
Dieser Innenhof ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern auch der Auftakt für jede Führung. Von hier aus geht es hinein in die Produktion, vom Maischbottich über die Washbacks bis zu den glänzenden Kupferbrennblasen. Die Atmosphäre ist persönlich und unaufgeregt, ganz so, wie man es von einer Brennerei mit über 200 Jahren Geschichte erwartet.

Das Herz von Bell's
Seit 1933 ist Blair Athol untrennbar mit dem Namen Bell's verbunden. Rund 95 Prozent des hier gebrannten Malts reifen in Bourbonfässern und fließen anschließend in den meistverkauften Blend des Vereinigten Königreichs. Blair Athol liefert dabei genau jene würzig-malzige Tiefe, die dem Bell's seinen vollmundigen Charakter verleiht.
Produziert wird auf vier Brennblasen, zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills. Die ursprünglich zwei Stills wurden 1973 auf vier verdoppelt, als die Nachfrage nach Bell's stetig wuchs. Mit einer Jahreskapazität von rund 2,5 Millionen Litern reinen Alkohols zählt Blair Athol heute zu den soliden mittelgroßen Brennereien der Highlands, groß genug für den Blend, klein genug, um den persönlichen Charakter zu bewahren.

Im Dunnage-Warehouse
Der atmosphärische Höhepunkt jedes Besuchs ist das traditionelle Dunnage-Warehouse. In dem kühlen, erdig riechenden Lagerhaus reihen sich die Fässer auf niedrigen Holzgestellen aneinander, hier auf drei Ebenen, fein säuberlich mit „Tier 1", „Tier 2" und „Tier 3" beschriftet. Der Gang in der Mitte verliert sich scheinbar endlos in der Dunkelheit, nur unterbrochen vom schwachen Licht unter dem alten Dachgebälk.
Dunnage-Warehouses gelten als die klassische und schonendste Form der Whiskyreifung. Der Erdboden hält die Luftfeuchtigkeit hoch und die Temperatur das ganze Jahr über konstant kühl, ideale Bedingungen für eine langsame, gleichmäßige Reifung. Hier reift auch der Anteil, der eines Tages als Blair Athol Single Malt auf die Flasche kommt.

Besuchstipp
Blair Athol liegt direkt in Pitlochry und ist damit eine der am leichtesten erreichbaren Highland-Brennereien überhaupt, der hübsche viktorianische Ferienort ist gut an Bahn und Straße angebunden. Nur eine knappe Autostunde weiter nördlich an der A9 wartet mit Dalwhinnie die nächste lohnende Station. Das Besucherzentrum gehört zu den meistbesuchten von Diageo und bietet von der klassischen Führung bis zum vertieften Tasting verschiedene Touren an. Eine Vorab-Buchung lohnt sich, gerade in den Sommermonaten. Wer den eigenständigen Blair-Athol-Charakter vorab kennenlernen möchte, findet bei uns passende unabhängige Abfüllungen, etwa den Blair Athol 9 Jahre Signatory.
Slàinte mhath aus Pitlochry!
Mehr von dieser Brennerei? Alle von uns getesteten Blair Athol-Whiskys findest du gebündelt in unserer Übersicht aller Blair Athol-Abfüllungen.
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Häufig gestellte Fragen
Wo liegt die Blair Athol Destillerie?
Blair Athol liegt am südlichen Ortseingang von Pitlochry in Perthshire, in den schottischen Highlands. Die Adresse lautet Perth Road, Pitlochry PH16 5LY. Der Ort ist gut per Bahn und über die A9 erreichbar.
Wann wurde Blair Athol gegründet?
Die Brennerei wurde 1798 unter dem Namen „Aldour" von John Stewart und Robert Robertson gegründet. 1825 übernahm John Robertson den Betrieb und gab ihm den heutigen Namen Blair Athol. Nach einer Schließung 1932 wurde die Destillerie 1949 von Arthur Bell & Sons wieder aufgebaut.
Was bedeutet der Name Allt Dour?
Allt Dour ist Gälisch und bedeutet „Bach des Otters". Der gleichnamige Bach entspringt am Ben y Vrackie oberhalb von Pitlochry und versorgt die Brennerei mit ihrem weichen Quellwasser. Der ursprüngliche Brennereiname „Aldour" leitet sich davon ab.
Welche Rolle spielt Blair Athol für Bell’s?
Blair Athol ist seit 1933 das aromatische Herzstück des Bell’s Blends, des meistverkauften Blended Scotch im Vereinigten Königreich. Rund 95 Prozent des hier gebrannten Malts reifen in Bourbonfässern und fließen in den Blend. Nur ein kleiner Teil wird als 12-jähriger Flora-&-Fauna-Single-Malt abgefüllt.
Kann man die Blair Athol Destillerie besichtigen?
Ja, Blair Athol verfügt über eines der meistbesuchten Besucherzentren von Diageo und bietet verschiedene Führungen und Tastings an. Eine Vorab-Buchung ist besonders in der Hauptsaison empfehlenswert. Der blühende Innenhof allein ist schon einen Abstecher wert.


